anne frisius filmemacherin


"... und ein langes Leben!“
Ist Pflegebedarf ein gesellschaftlicher Notfall?
In Würde Altern vs. faire Arbeitsbedingungen?

55 min., in deutscher Sprache, von Anne Frisius
Kamera: Ute Freund, Markus Otto, Susanne Hensdiek
Berlin/Bremen 2013

Der Film beleuchtet aus 11 unterschiedlichen Perspektiven die Situation in der häuslichen Betreuung. Menschen mit Pflegebedarf, Pflegende ("legale" und "illegale"), Angehörige und Gewerkschafterinnen erzählen von ihrer Situation und Einschätzung.

„Alt-Werden ist nichts für Feiglinge!“

In ausführlichen Interviews erzählen Betreute, Betreuende, Angehörige und Gewerkschafter von Schwierigkeiten, fehlenden Strukturen, aber auch von bereichernden Erfahrungen. Fragen tauchen auf: Ist Pflegebedarf ein gesellschaftlich nicht vorgesehener Sonderfall? Wie geht diese Gesellschaft mit alten Menschen um? Wie geht sie mit Pflegenden um? Was für eine Gesellschaft wollen wir haben? Ist Alter ein Problem? Ist Betreuung keine richtige Arbeit? Was braucht es, um befriedigende Pflegesituationen zu ermöglichen?

Die Interviewten nennen Fakten, erzählen von ihren Ängsten, Bedürfnissen und ihren Wünschen für die Zukunft. Eine querschnittsgelähmte Frau rät mit solidem Humor, man brauche viel Ausdauer, Kraft – und Gesundheit: dann könne man es schaffen, im Kampf mit Behörden und Kassen zu bestehen.

Der Film entwirft ein facettenreiches Bild vom Pflegen und Gepflegtwerden heute. Er zeigt, dass es nicht genügend Angebote für alte Menschen gibt, die pflegebedürftig sind. Es gibt keine einfachen Lösungen. Der Film berührt und lädt zum Diskutieren ein.

Die Protagonist_innen:

Margarete Opitz
war Hausfrau und ist Mutter von zwei Kindern. Sie zog, als sie in ihrer Kleinstadt nicht mehr allein leben konnte, zu ihrer Tochter Erika Opitz nach Bremen. Zunächst wohnten sie anderthalb Jahre in einer 3er WG zusammen. Nach einem Schlaganfall entschied sich Margarete Opitz in ein Seniorenheim zu ziehen. Mutter und Tochter sehen sich oft.

Gudrun Freund
ist gelernte technische Zeichnerin und Mutter dreier Kinder. Mit 68 Jahren beginnt Gudrun Freund, ihre Mutter zu betreuen. Drei Jahre lang versorgt sie ihre Mutter mit der Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes, jeweils sechs Monate im Jahr - im Wechsel mit ihrer Schwester - in der Wohnung der Mutter in Gera. Mit 72 Jahren erleidet Frau Freund einen Schlaganfall. Sie ist seither halbseitig gelähmt und lebt in einem Pflegeheim in Berlin-Mitte.

Erika Opitz
ist Köchin in Bremen. Als ihre Mutter nicht mehr allein leben konnte, holte sie sie zu sich in ihre WG. Nach einem Schlaganfall konnte die Mutter nicht mehr die Treppen zu der gemeinsamen Wohnung hoch steigen. Die Mutter entschied sich, in ein Seniorenheim zu ziehen. Erika Opitz, lebt ganz in der Nähe, die beiden sehen sich oft.

Maria Angelica
(der Name wurde auf ihren Wunsch geändert) kommt aus Chile und ist Buchhalterin. Sie hat zwei erwachsene Töchter. Offiziell darf sie in Deutschland nicht arbeiten.Sie hat drei Jahre lang eine über 90-jährige Frau in Berlin betreut. Maria Angelica hat mit der alten Frau zusammen in deren drei Zimmer Wohnung gelebt und sie rund um die Uhr betreut. Sie hatte keinen Urlaub, keine freien Tage, konnte nicht krank werden und bekam 500 Euro im Monat.

Inge Steinbrück
gebürtige Berlinerin, ist Mutter zweier Söhne. Sie arbeitete im Krankenhaus. Seit den 80er Jahren ist sie querschnittsgelähmt. Ihr Mann pflegte sie, bis er zwei Jahre später an Krebs starb. Zunächst bekam Inge Steinbrück Betreuung von einer Sozialstation, bis sie „Ambulante Dienste e.V.“ für sich entdeckte. Seitdem organisiert sie ihren Assistenzbedarf mit einem Team von Assistentinnen selbst, nach ihren Bedürfnissen.

Ulrike Schätte
ist Dozentin an der Volkshochschule Berlin-Kreuzberg für Deutsch als Fremdsprache. Seit ihre Mutter in einem Dorf in Nordhessen Betreuung braucht, organisiert Ulrike Schätte diese von Berlin aus. Der Mutter war es wichtig, zu Hause in ihrem Dorf wohnen bleiben zu können. Ein Pflegedienst kommt täglich morgens für eine halbe Stunde.

Beata Lis
ist gelernte Lokführerin. Jetzt arbeitet sie als Altenbetreuerin für eine polnische Organisation in Deutschland. Sie lebt jeweils bei den SeniorInnen, die sie betreut. Zwischen den Einsätzen fährt sie für ein paar Wochen in ihre Heimatstadt in Polen. Sie hat zwei erwachsene Söhne.

Eberhard Hasper
hat eine Agentur für Biokäse in Bremen. Nachdem er fünf Jahre lang seine krebskranke Mutter bis zu ihrem Tod begleitet hat, bat ihn seine 94-jährige blinde Tante um Hilfe. Er organisiert jetzt seit fünf Jahren auch für sie die Betreuung in einem Dorf in der Nähe von Bremen. Über die Vermittlung einer deutsch-polnischen Agentur leben jetzt wechselnde Betreuerinnen bei der Tante.

Johanna Harbeck
arbeitet seit ihrem Studium als Assistentin bei „Ambulante Dienste e.V.“ in Berlin. Sie ist dort Betriebsrätin und engagiert sich für gute Arbeitsbedingungen in der Assistenz. Neben ihrer Arbeit macht sie eine Ausbildung zur Körpertherapeutin. Für sie ist klar, dass die Arbeit in der Assistenz ab einem bestimmten Alter nicht mehr, beziehungsweise nur noch eingeschränkt zu schaffen ist.

Dr. Margret Steffen
forscht und arbeitet für „ver.di Gesundheitspolitik“ im Bereich EU-Gesundheitspolitik. Sie setzt sich ein für eine bessere Integration von Migrantinnen, die in der Pflege arbeiten, und fordert betriebliche und politische Lösungen. Sie plädiert für eine Pflegevollversicherung, um dem wachsenden Bedarf und den schlechten Arbeitsbedingungen in diesem Bereich zu begegnen. „Ist Alter ein Problem, oder was?“

Sylwia Timm
arbeitet in der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ vom DGB in Berlin mit Schwerpunkt auf der häuslichen Betreuung. Die Frauen, die in diesem Bereich arbeiten, und oft aus östlichen Nachbarländern kommen, berät sie zu ihren Arbeitsrechten und gegebenenfalls bietet sie ihnen Unterstützung in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen an.

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